Suche
Galerie
DIE 7 ½ LEBEN DES WALTER MOERS

Sind wir nicht alle Arschloch?

Wenn Käpt'n Blaubär als Galionsfigur für die Ausstellung zum Werk von Walter Moers herhalten muss, wird der Ausstellungsbesucher überrascht: In Oberhausen gab es Skurriles, Obszönes und sogar einen Ritt durch die gesamte Kunstgeschichte.
 
Das kleine Arschloch in Oberhausen.Den eingefleischten Moers-Fan erkannte man in der Ausstellung "Die 7½ Leben des Walter Moers" auf den ersten Blick. Er stürzte sich natürlich auf die Tuschezeichnungen aus dem zur Ausstellungseröffnung noch unveröffentlichten sechsten Romans aus der Zamonien-Welt "Das Labyrinth der Träumenden Bücher": freche und zugleich laute einäugige Wesen mit zwei Fingern an jeder Hand, die vor gigantischen Bücherwänden in dicke Wälzer starren. Denn: Für die Lektüre reicht ein Auge grundsätzlich aus und Buchlinge lesen am meisten! Und weil sie sich von Büchern ernähren, ihren Lesehunger mit drei bis fünf Büchern pro Tag stillen, wunderte es den Betrachter auch nicht, dass sie sich selbst an die Buchdruckmaschine setzen. Hildegunst von Mythenmetz, Moers' Alter Ego, ziert auch das neue Buch und sie war in Oberhausen natürlich mit einem großen Gemälde vertreten, grotesk angelehnt an europäische Herrscherporträts des 16. und 17. Jahrhunderts. Zeichnungen aus "Rumo & die Wunder im Dunkeln", "Ensel und Krete" sowie "Der Schrecksenmeister" zeigten mehr als nur einen Ausschnitt aus der Moers'schen Wesenswelt. Nicht nur Zeichnungen der Figuren aus diesen Romanen waren hier zu sehen, auch ganze Landschaften wurden gezeigt, wie Wolperting, der Lindwurmfeste und natürlich Zamonien selbst. Und immer wieder natürlich die berühmteste Figur von Walter Moers: Das kleine Arschloch.

Porno oder echte Kunst? Diese Frage stellten sich schon Betrachter des Werkes 'Made in Heaven' von Jeff Koons.Man brauchte eine Weile, bis man die zahlreichen Blätter angeschaut und sich durch die Erläuterungen gelesen hat. Und man merkte schnell, dass Käpt’n Blaubär und Das kleine Arschloch beinahe nur Randfiguren im Werk von Walter Moers sind, wenn auch die erfolgreichsten.

Die zweite Etage, nur für Besucher über 16 Jahre zugänglich, war voll und ganz der Geschichte gewidmet. Zu Beginn stand die Frage, ob man sich über das größte aller Arschlöcher, Adolf Hitler, amüsieren darf. Man darf, man kommt gar nicht daran vorbei, man muss es einfach witzig finden: Adolf ist einfach ein Arschloch, wie er da auf einem Gemälde auf dem Lokus sitzt, in der Badewanne hockt, sich in kleiner Gestalt nackig der Lächerlichkeit Preis gibt, große Gesten im dramatischen Licht einübt. Blätter aus dem dritten Adolf-Band "Der Bonker" luden wiederum zum Lesen und Lachen.

Geschichte meint bei Walter Moers aber noch weit aus mehr. Das kleine Arschloch ist nämlich schon lange und überall dabei gewesen und erscheint in Zeichnungen und Gemälden seit Jahrhunderten: als "Litte Asshole" bei den Peanuts, als Studienobjekt bei Leonardo da Vinci, als "Arschloch in Öl" von Toulouse Lautrec, in Warhols Campbell's Dose, als "Strahlenarschloch" bei Keith Haring, als kopfüber hängendes Arschloch bei Baselitz, als einsamer Barkeeper bei Edward Hopper, als Schatten bei Giorgio de Chirico, im zugedröhnten Tanzreigen bei Matisse, als betender Hase bei Albrecht Dürer, als fickender Hengst bei Jeff Koons. Im jugendfreien Ausstellungsbereich findet man die 'lieben Viecher' von Walter Moers.Während die Ausstellungsbesucher hier und da schmunzelten, entwich uns beim Anblick der "Fickvase von Saloniki" ein lauter Lacher. Mehr möchten wir an dieser Stelle über das Ausstellungsstück in Ton mit dem Titel "Schamlos" nicht erzählen.

Und wo war nun eigentlich der blaue Bär? Richtig, am Eingang sagte man uns, dass die "Familiensachen" ausgelagert seien. Wir überquerten den Innenhof des Schloss Oberhausen und fanden uns zwischen den tollen Puppen aus dem Moers'schen Kinderuniversum. Dabei waren Käpt'n Blaubär, Hein Blöd und das grüne Bärchen schon ein echter Hingucker. Der Knaller aber waren die anderen Figuren, Frettchen, Maulwurf, Hase, der blöde Wolf. Über zwei Fernseher flimmerten die Abenteuer der Bärchenbande und ihres stets flunkernden Onkels – ein Kinderparadies im Museum!

Wir finden: Diese Ausstellung machte einfach riesig Spaß. Nicht nur, dass man durch das ganze Figurenspektrum im Allgemeinen und den Detailreichtum der Tuschezeichnungen im Besonderen das Genie des Walter Moers vor Augen geführt bekam. Besonders überrascht und begeistert hat uns, dass es den Ausstellungsmachern gelungen war, aus einem interessierten Besucher mit wenigen Vorkenntnissen einen Fan werden zu lassen – wieder einmal.

DIE 7 1/2 LEBEN DES WALTER MOERS - Vom Kleinen Arschloch über Käpt'n Blaubär bis Zamonien

25. September 2011 bis 15. Januar 2012

Ludwig Galerie Schloss Oberhausen
Konrad-Adenauer-Allee 46
46049 Oberhausen
Info-Tel.: 0208 4124928

Öffnungszeiten: Di-So 11-18 Uhr

Eintritt: 6,50 Euro, ermäßigt 3,50 Euro
Öffentliche Führungen: jeden Sonntag um 11:30 Uhr


 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren