| "KUMPELS IN KUTTEN" |
Matten, Mannis und Maskottchen ...Das Buch "Kumpels in Kutten" zeigt "Heavy Metal im Ruhrgebiet". In zehn Bandportraits, Interviews und Berichten über Festivals, Labels und Szene-Kneipen wird die Entwicklung des Musikstils, der Bands und Fans nachgezeichnet. Wir haben 3 Exemplare verlost.Von M. Leifhold Die Erinnerungen der Langhaarigen gleichen sich: Sie beginnen in den frühen 80er Jahren als Fan. Hard Rock aus England gab die Richtung vor und die zukünftigen Ruhr-Metals taten einiges, um ihren Vorbildern wie Lemmy von Motörhead und Co nachzueifern: Sie kauften sich Instrumente, mieteten einen Proberaum und nannten sich fortan Musiker. Wenn im Proberaum auch noch geprobt wurde, ein Auftritt an Land gezogen werden konnte, sich ein Platten-Label fand, dann konnte die Mattenschwinger-Karriere mit der Veröffentlichung einer LP starten und den Bands den ersehnten Erfolg bringen.Für die Fans wurde die Kutte zum Erkennungszeichen: Zusammengehörigkeit untereinander und Abgrenzung gegen Normalos. Die ersten Treffpunkte entwickelten sich und Konzerte wurden gespielt. Einige Enthusiasten schafften eine Infrastruktur von Kneipen, Labels, Magazinen, bis hin zu Festivals, so dass sich eine kleine Szene etablieren konnte. Laut den Verkaufszahlen der Schallplatten waren die Scheiben aus dem Pott in der Mitte der 80er sehr begehrt, Metal war auf dem Höhepunkt, von da an ging's bergab. Der "True Metal"-Sound der Bands war in den 90ern nicht mehr gefragt. Es kamen neue Stilelemente zum Metal hinzu und neue Ausdrücke mussten gefunden werden, um dem Kind einen Namen zu geben (Pagan-, Speed-, Power-, Black-, Poser-, Haarspray oder Death-Metal? New Metal, Metalcore, Trash der klassischen Schule, Hard Trash, u.v.m.). Zur neuen Konkurrenz entwickelte sich ebenfalls die Musik- und Vermarktungsindustrie weiter und bescherte der Metal-Szene endlose Diskussionen über "Ausverkauf" und wie denn "echter" Metal nun eigentlich sein müsse. Doch für die Fans ist ihr Genre mehr als Pathos mit Gitarren, Posen und Haare, die aussehen wie Perücken: Metal als Religionsersatz. Die Metal-Gemeinde legt großen Wert auf ihr Zusammengehörigkeitsgefühl und einen ungezwungenen Umgangston. Das Buch "Kumpels in Kutten" ist voll von Metals mit Spitznamen: Mille, Peppi, Manni, Boggi, Freddi, Assy, Bobby sind nur einige. Man kann auch den Eindruck bekommen, dass in der Ruhrpott-Szene schon jeder mit jedem mal in einer Band gespielt hat. Wer wann wie lange bei Kreator, Sodom oder Rage spielte und warum er ging oder gegangen wurde, ist jedoch nur für die eingefleischten Fans spannend. Wer sich, ob der nicht gerade verständlichen Vortragsweise vieler Metal-Sänger, tiefere Einblicke in einzelne Heavy-Songs erhofft hat, wird enttäuscht. Inhaltlich werden die Texte der Bands nicht genauer vorgestellt, das Themen-Spektrum scheint nicht über das finstere Mittelalter, Ehre, Gemeinschaft, Tod und Einsamkeit hinauszugehen. Als Inspiration nennen zum Beispiel die Grave Diggers aus Gladbeck Mel Gibsons Film "Braveheart". Die Autoren Schmenk und Krumm zeigen die Ruhr-Headbanger als zu Beginn kleine und später größere Gemeinde, die gern unter sich bleibt. Die Szene sieht sich als eine Familie und wie bei so vielen anderen Familiengeschichten, ist es auch beim Metal und bei diesem Buch nur wirklich spannend, wenn man damals dabei war. Wer dann noch etwas mit Ausdrücken wie "erdigem Sound" und anderem "kultigen" Vokabular anzufangen weiß, der ist bei diesem Buch bestens aufgehoben. Alle anderen sind jedoch mit einer kleinen Dokumentation aus dem Jahr 1989 besser bedient: "Thrash, Altenessen" Obwohl Heavy Metal längst sein für eine breite Masse der Bevölkerung schockierendes Potential verloren hat, so bietet er doch bestimmt auch heute noch eine Position an, mit der so manche männliche Jugendlichen sich bedingungslos identifizieren können. Dafür finden sich in Kumpels in Kutten etliche Beispiele, hier das Beste davon: War der Metal Ende der 90er wirklich tot? - "Ich war nie tot!" Wir haben ein Herz mit den Headbangern von einst und haben 3 Exemplare von "Kumpels in Kutten" verlost. Gewonnen haben Helge S., Karsten H. und Kathrin L. Wir gratulieren und wünschen viel Vergnügen mit diesem Stück Revierhistorie. Holger Schmenk + Christian Krumm Kumpels in Kutten - Heavy Metal im Ruhrgebiet Bücher vonne Ruhr, Verlag Henselowsky Boschmann, 2010 256 Seiten, viele Fotos, 16,90 Euro ISBN 978-3-942094-02-3 |


Die Erinnerungen der Langhaarigen gleichen sich: Sie beginnen in den frühen 80er Jahren als Fan. Hard Rock aus England gab die Richtung vor und die zukünftigen Ruhr-Metals taten einiges, um ihren Vorbildern wie Lemmy von Motörhead und Co nachzueifern: Sie kauften sich Instrumente, mieteten einen Proberaum und nannten sich fortan Musiker. Wenn im Proberaum auch noch geprobt wurde, ein Auftritt an Land gezogen werden konnte, sich ein Platten-Label fand, dann konnte die Mattenschwinger-Karriere mit der Veröffentlichung einer LP starten und den Bands den ersehnten Erfolg bringen.