| LOGO CLUB BOCHUM |
Die geilste Party des Jahre ist getanzt. Menschen um und jenseits der 40, die man überall, aber niemals in einem Szene-Club vermuten würde, schmeißen sich in Jeans und Shirt und rocken zu Independent-Perlen, Punk-Knallern und Technovorreitern - aufgelegt von Ralf Odermann.
Und 2012 ist es beinahe wie 1989: Man positioniert sich dann doch irgendwie an seinem ehemaligen Stammplatz im Club, rund um die Theke gibt es zeitweise kein Durchkommen, man wedelt sich bei dem dichten Disconebel auf der Tanzfläche hin und wieder Luft zu und kennt sich noch von früher, muss aber einmal mehr hinsehen, denn die Jahre haben ihre Spuren hinterlassen; bei dem arg schummrigen Licht und dem vielen Nebel im Stargate sieht man die Fältchen wenn nicht sogar Falten der ehemals "schärfsten Partycrowd" zum Glück kaum und bei den Herren Partygästen ist auch Frisuren technisch noch nicht alles verloren - es gibt sogar noch die Langhaarigen. Und auch wenn's in dieser Nacht niemand zugeben wird: Am Tag danach haben wir alle schlimmen Muskelkater. Auf der sagenhaften Playlist: "The Passenger" von Iggy Pop, "Epic" von Faith No More, Fugazis "Waiting Room", das schräg-punkige Stück "Exposition" von Charles de Goal, "Teen Sex Transfusion" von den legendären Multicoloured Shades aus Recklinghausen, Cures "A Forrest", "This Corrosion" von den späten Sisters Of Mercy, das wunderbare "The Only One I Know" von den Charlatans, "Melt The Ice" von den Spermbirds, der frühere Rausschmeisser-Song "Where Is My Mind" der Pixies, die Abgehnummer "Too Many Puppies" von Primus, Gun Club, Bad Religion, Mudhoney, Dinosaur Jr., immer wieder Nirvana und und und. Und meistens sind es genau jene Songs, deren Texte man auch heute noch lautstark mitsingen kann und man wundert sich schon, wie man mit all diesem überflüssigen Unsinn im Kopf einen halbwegs respektablen Uniabschluss schaffen konnte.
Mit den Songs von damals und dem partytechnisch historischen Ort in Bochum kommen die Erinnerungen an kleine und auch große Geschichten, Erinnerungen an schräge Begebenheiten aus der wilden Jugend, Begegnungen mit echt irren Vögeln, die heute so sehr seriös daher kommen. Was nach der Nacht Logo Club Revisited bleibt? Ein wahnsinniges Ohrenrauschen, brennende Schuhsohlen und die Gewissheit, dass wir zur nächsten Logo-Party alle wieder dabei sein werden. Früher war alles besser? Wenn so gegen acht Uhr morgens, wahrscheinlich war es auch schon später, früher im Logo die Lichter angingen, hieß das: Frühstück um Sachs und nächste Woche sehen wir uns wieder. Zu einer Zeit, als der Begriff "Szene-Club" noch einen besonderen Stellenwert hatte und nicht inflationär für einen x-beliebigen Tanzschuppen gebraucht wurde, pilgerte die tatsächliche Szene aus dem ganzen Lande nach Bochum und feierte Woche für Woche immer samstags in dem mit kühlen Eisen- und Stahlmöbeln ausgestatteten Kellerclub. Getanzt wurde in einer Art Käfig, denn die große Tanzfläche war umgeben von langen Eisenstäben. Der abwechslungsreiche Logo- Sound von Independent über Punk bis Wave sorgte für den echten Kult. Sogar erste Hip Hop-Beats von Public Enemy oder Acid-Knaller aus den Anfängen des Techno standen im Logo auf der Playlist. Was hier passierte war musik- und ausgehtechnisch wegweisend. Über Jugend- und Musikkultur sprach man nicht, lange bevor das Musikfernsehen zum großen Diktat der Trends ausholte, war sie hier einfach Realität.Auch wenn immer mal wieder Gerüchte über eine Schließung des Logo aufkamen, hielt sich der Club von 1985 bis 1991. Das Aus riss dann eine große Lücke in das Nachtleben Bochums, der Nachfolger Lurie und auch das Planet schrieben eigene Geschichte, konnten den wahren Kultstatus des Logo allerdings nie ganz erreichen. Mehr Infos und schräge Bilder von damals gibt es auf www.myspace.com/revolucion77. Und: Der Logo Club auf Facebook ... |



Also: Der vor über 22 Jahren gehörte Logo-Grundsatz "Die Guten kommen erst um fünf" hat heute keine Gültigkeit mehr. Kurz nach Mitternacht sorgt zur Revisited-Party des rappelvollen Logo Clubs im Bochumer Stargate der 80er Song "She Sells Sanctuary" von The Cult dafür, dass bei den Gästen ein Ruck durch ihre vielleicht etwas tanzmüden Knochen geht, sie auf die Tanzfläche springen und eine Nacht lang wieder im Logo Club feiern und abgehen, dass die Hütte wackelt. An den Plattentellern hat Ralf Odermann sichtlich gute Laune in Anbetracht der bis zum Sonnenaufgang gut gefüllten Tanzfläche. Damals waren es der Chirurg und die hippiemäßige Abiturientin, heute Mutter von drei Kindern und Hausfrau im Reihenhaus, die hier zusammen finden.
Wenn so gegen acht Uhr morgens, wahrscheinlich war es auch schon später, früher im Logo die Lichter angingen, hieß das: Frühstück um Sachs und nächste Woche sehen wir uns wieder. Zu einer Zeit, als der Begriff "Szene-Club" noch einen besonderen Stellenwert hatte und nicht inflationär für einen x-beliebigen Tanzschuppen gebraucht wurde, pilgerte die tatsächliche Szene aus dem ganzen Lande nach Bochum und feierte Woche für Woche immer samstags in dem mit kühlen Eisen- und Stahlmöbeln ausgestatteten Kellerclub. Getanzt wurde in einer Art Käfig, denn die große Tanzfläche war umgeben von langen Eisenstäben. Der abwechslungsreiche Logo- Sound von Independent über Punk bis Wave sorgte für den echten Kult. Sogar erste Hip Hop-Beats von Public Enemy oder Acid-Knaller aus den Anfängen des Techno standen im Logo auf der Playlist. Was hier passierte war musik- und ausgehtechnisch wegweisend. Über Jugend- und Musikkultur sprach man nicht, lange bevor das Musikfernsehen zum großen Diktat der Trends ausholte, war sie hier einfach Realität.
Kommentare
Vielen dank dafür,
Ralf
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