Riegel, Schilder, bunte Häufchen."Willkommen in der Warenwelt der Antje Dorn" hätte am Eingang der Ausstellung im Museum Folkwang stehen müssen. Doch echte Waren gab es hier nicht, vielmehr Imitationen und Bilder von Waren, in Serien hergestellt. Alles so schön bunt hier. Und so hieß die Ausstellung auch einfach nur "Stuff", also "Zeug" oder "Kram". Und dieser Kram ist uns nur allzu bekannt. Die Schau begann mit einer riesigen Wand auf der 150 Objekte angebracht waren. "Quality Street" ist Installation und Supermarktregal zugleich. In Öl auf Holz baut Dorn hier alles was das Kinderherz an der Supermarktkasse begehrt nach, reduziert sie und braucht dazu meistens nur ein paar schnelle Striche, denn die Logos haben sich selbst in ihrer hier zu findenden Einfachheit ins kollektive Gedächtnis des schokoladensüchtigen Verbrauchers eingebrannt. So transformiert sie das Produkt, karikiert es auf humorvolle Weise, wodurch unser alltägliches Konsum- und Sehverhalten auf den Kopf gestellt wird. Das geschieht auch in ihrer Fotoserie "0,0 total" mit Klecksen, deren bloße Konsistenz zwar erkennbar bleibt aber deren Herkunft sich dem Betrachter verschließt und ihn mit seinen wildesten Assoziationen allein, ihn schmunzeln sowie bisweilen ekeln lässt. Denn ob es sich bei den verschieden farbigen Flecken auf den unterschiedlichsten Untergründen um Essbares oder Fieses handelt, wird nicht geklärt.
Insgesamt ist für Antje Dorn die gestaltete Wirklichkeit Ausgangspunkt ihrer Kunst. Sie fotografiert, zeichnet, malt und installiert Getränkeverpackungen, Autos und auch Bild- und Schriftsysteme. Aus den in Großstädten bekannten Reklametafeln von vielleicht koffeinhaltiger Brause oder Fluggesellschaften macht sie eine Serie, in der die Gebäude stark verkleinert werden und die üblichen Markennamen durch Waren wie "Milk", "Frogs" oder "Brokkoli" ersetzt werden. "Die Zeichen und Dinge, wie sie uns in ihrer alltäglichen Bedeutung begegnen, emanzipieren sich in den Bildern von ihrer eigentlichen Funktion, verlieren ihren instrumentellen Charakter, sie sind einfach", erklärt Antje Dorn ihre Arbeiten.
Dorn, die an der Folkwang Hochschule und in Düsseldorf bei A. R. Penck studierte, nahm den Ausstellungsbesucher mit in ihre bunte Welt. Diese begann mit der Gemäldeserie "Ölölöl" von 1994 und zeigt isolierte Objekte von einer "Allee" bis zu einem "Schaf", von einem "Toast" bis zum "Stadion" reale wie fiktive Piktogramme in weiß auf blau. Während sie starke Schematisierungen erarbeitet, sind ihre "Motorgirls" völlig wirr und mit den "Bangs" und Sprechblasen sowie den nummerierten Fahrzeugen im Comicstil gemalt. Was diese Arbeit von den anderen Serien unterscheidet ist, dass man sie nicht auf einen Blick erfassen kann, länger gucken und seinen Standpunkt suchen muss. Dagegen sind die von Dorn selbst gebauten Attrappen von Fotoapparaten in der Fotoserie "Pupille" wieder in ihrer rigorosen Einfachheit fassbar.
Wir finden: Schöne Grüße an Andy Warhol und seine imitierten Ready Mades. So macht Kunst Spaß!
Antje Dorn. Stuff12. März bis 29. Mai 2011
Museum Folkwang Museumsplatz 1 45128 Essen
Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Fr bis 22:30 Uhr Mehr Museums- und Ausstellungstipps: |