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JOCHEN DISTELMEYER SOLO

Altbekanntes und die Menge tobt.

Keine Überraschungen in Essen: Die traurigen Gesichter nach der 2007er Blumfeld-Abschiedstournee sind noch nicht vergessen. Nach 17 Jahren hatten die Pioniere des deutschsprachigen IndieRock eine große Fangemeinde hinterlassen.

 

Von M. Leifhold

 

Die neuen Nummern rocken und sind eher mit den Liedern der 90er Jahren vergleichbar.In diesen Tagen können sie alle neue Hoffnung schöpfen: Jochen Distelmeyer, Frontmann der aufgelösten Band, wird Ende September sein neues Album "Heavy" veröffentlichen, und hatte vorab zu einigen kleinen Konzerten geladen. Am 16. Juli war er mit seiner Begleitkapelle im prall-gefüllten, ausverkauft-verschwitzten Kultur- zentrum Grend in Essen-Steele.

Auf der Bühne sah es aus wie immer: Distelmeyer, mal mit akustischer, mal mit elektrischer Gitarre in der Mitte der Bühne, ein zweiter Gitarrist, Trommler und ein Keyboarder. Zuständig für den Bass und die Rockstar-Ironie-Posen war Lars Precht, ab 2005 ebenfalls Blumfeld-Mitglied. Viel Neues gab es zwar nicht zu hören, doch das störte die rund 150 Zuschauer nicht. Blumfeld-Hymnen, Sommer- wetter und jeder Liebhaber von Alternativ-Rock mit Pop-/Kitschanleihen steht kurz vor der Glückseligkeit. Wer sich nur minimal zur Musik bewegte, hätte im heißesten Konzertsaal des Reviers schon nach dem zweiten Song des Abends Jochen Konkurrenz machen können. Aber nur fast. Denn der schonte sich nicht, und so ging der Titel für das verschwitzteste Shirt klar nach Hamburg. So viel Bühnen-Einsatz machte beim Publikum natürlich mächtig Eindruck, und die "Olé Olé" und "Jochen ist der geilste Typ der Welt"-Chöre ließen deutsche Sommermärchen-Stimmung aufkommen, inklusive Fähnchenschwingen und Autokorso.

Auch wurden Befürchtungen zerstreut, Distelmeyer würde sich nach dem letzten, zu sehr verkitschten Album "Verbotene Früchte" textlich weiter an Raben, Schmetterlingen und Apfelmännern abarbeitet. Die neuen Nummern rocken und sind eher mit den Liedern der 90er Jahren vergleichbar, als es noch nicht so zuckersüß wie im Spätwerk zuging. Diese Zeit der Blumfeld-Bandgeschichte war dann im Grend auch unterrepräsentiert, der Fokus lag klar auf den frühen Songs: "2 oder 3 Dinge", "Weil es Liebe ist" und "Wir sind frei" wurden routiniert präsentiert, und verfehlten ihre Wirkung beim Publikum nicht. Im Ohr blieben neben den alten Hits auch die bisher ungehörten Titel "Hinter der Musik" und "Ich will mehr".

 

Die Blumfeld-Basis werden die Stücke von "Heavy" wohl nicht mehr überraschen können. Aber wenn Distelmeyer mit seinen Mitmusikern an die Qualität der alten Scheiben anschließen kann, dann müssen sich die Gute-Laune-und-alles-gut-JulisSilbermondsRevolverhelden noch mit mehreren dicken Pullis warm anziehen. Der Unterschied zu Routiniers wie Jochen liegt nicht nur im Detail, aber auch: Die einen nerven das Publikum mit Mitmachspielchen bereits nach dem zweiten Stück, um die Stimmung in Schwung zu bringen. Distelmeyer bequemte sich erst beim letzten Stück vor der Zugabe zur Publikumsanimation, und da war bei Band und Publikum das Konzert schon als voller Erfolg verbucht. Ob in Essen die Männer besser "Quo Vadi" als die Frauen "Ich und Du" gesungen haben, wird wohl offen bleiben, die Kerle waren in jedem Falle lauter.

 

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