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SCHACHTANLAGE WESTERHOLT 3

Industriegeschichte satt in Herten.

Der Förderturm der Zeche Westerholt gehörte zu den ersten Anlagen im Ruhrgebiet mit Vierseilförderung und ist hier heute eine der letzten erhaltenen Anlagen dieser Art. Im Juni 2010 war die Schachtanlage LWL-Denkmal des Monats.

Markantes Wahrzeichen des Bergwerkes ist der Förderturm des  Zentralförderschachtes Westerholt 3. Foto: LWL, Brockmann-Peschel.Markantes Wahrzeichen des ehemaligen Bergwerkes Westerholt an der Grenze von Herten zu Gelsenkirchen-Hassel ist der Förderturm des Zentralförderschachtes 3. Er bildet mit der anschließenden Schachthalle einen zusammenhängenden Gebäudekomplex. "Besonders kennzeichnend sind die asymmetrische Einbindung des Förderturms in den Wagenumlauf, der Wechsel von horizontalen und vertikalen Gliederungselementen sowie der Kontrast der Materialien Beton und Klinker", erklärt Denkmalpflegerin Imme Wittkamp. Der Förderturm ist mit zwei vollautomatischen Vierseil-Gestellförderungen ausgestattet. Im Turmkopf sind zwei Elektrofördermaschinen der Eisenhütte Prinz Rudolf (Dülmen) erhalten geblieben. Die Schachthalle beherbergt den vollständig erhaltenen Wagenumlauf mit Leitstand und Kreiselwippern, die die Förderwagen entleert haben.

"Außerdem von großer technikgeschichtlicher Bedeutung ist der Wagenumlauf, der in dieser Vollständigkeit ebenfalls Seltenheitswert besitzt", weiß Wittkamp. Dieser Wagenumlauf diente dazu, die entleerten Förderwagen wieder in den Förderkreislauf zu bringen. Die meisten Wagenumlauf-Anlagen sind inzwischen abgebaut worden, da die Zechen überwiegend von der Gestell- auf die Gefäß- oder Skipförderung umgestellt haben. Dabei werden die bis zu 30 Tonnen fassenden Gefäße direkt in Eisenbahnwaggons entleert.

Die Kreiselwipper dienten dazu, die Förderwagen zu entleeren. Foto: LWL, Lubahn.Die Vierseiltechnik, bei der der Förderkorb an vier Seilen befestigt wurde, verbesserte die Schachtförderung in den 1950er Jahren. "Diese Technik hält den Querschnitt der einzelnen Seile auch bei sehr großer Schachttiefe und bei großen Nutzlasten klein und verringert somit den Durchmesser der Treibscheiben. Dadurch verbilligt sich der elektrische Antrieb", erklärt Wittkamp.

Gestern und Zukunft
Das Bergwerk wurde 1907 als zweites im Grubenfeld Bergmannsglück gegründet und war über die Bergwerks-AG Recklinghausen Eigentum des preußischen Staates. 1910 gingen die Schächte 1 und 2 in Förderung. 1927 gelangte das Bergwerk mit dem gesamten Besitz der Bergwerks-AG Recklinghausen in das Eigentum der von dem Iren William Thomas Mulvany gegründeten Hibernia AG. Diese begann nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem umfassenden Zusammenlegungs- und Modernisierungs- programm der ehemalige staatlichen Zechen. In diesem Zuge entstand ab 1956 neben der neuen, nahe gelegenen Zentralkokerei Hassel der Zentralförderschacht Westerholt 3, der 1960 in Betrieb ging. 1998 wurde Westerholt in die Deutsche Steinkohle AG (DSK) übernommen und mit dem Bergwerk Fürst Leopold/Wulfen zum Bergwerk Lippe zusammengeschlossen. Am 19. Dezember 2008 endete die Geschichte des Bergwerks Lippe mit Hebung des letzten Förderwagens auf Westerholt 3. "Gefragt sind jetzt kreative Ideen für eine Nachnutzung dieses bergbaugeschichtlich bedeutenden, zur Zeit vorläufig unter Schutz gestellten Denkmals", so Wittkamp.
 

Kommentare  

 
0 #1 Martin Schulte-Fisch 2011-01-17 17:22
Der Wagenumlauf Westerholt wurde 2005 von den Firmen Maschinenfabrik Hese, Gelsenkirchen und FHF ertüchtigt und von damals 5 Kippern auf zwei Hochleistungski pper umgebaut. Damit war es möglich über 4000 Förderwagen am Tag
zu kippen. Pro Stunde waren es ca 240 Wagen. Bei Betrieb mit einem Kipper konnten 200 Wagen pro stunde entleert werden.
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+1 #2 Martin Schulte- Fisc 2011-01-18 16:29
Die Bildunterschrif ten sind vertauscht.
Über den Wagenumlauf im Betrieb gibt es einen Film.
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0 #3 RM-Admin 2011-01-18 21:17
Danke für den Hinweis, der Dreher ist korrigiert.
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