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MARCELLINO'S 2.0

Gästemeinungen in gedruckter Form.

Von Bochum bis Witten ist das Ruhrgebiet in kulinarischer Hinsicht ein undurchsichtiger Dschungel. Der Restaurant Report 2.0 von Marcellinos.de greift die Gästebewertungen der Homepage auf und zeigt, dass es im Revier Sexy Food gibt.


Marcellino's Restaurant Report 2012. Ruhrgebiet: Die besten Adressen im Revier. Gäste sagen, wie es wirklich is(s)t.Gastronomieführer gibt es wie Sand am Meer. Dieser hier ist wohl der Subjektivste seiner Art, denn nicht ein Heer aus Restaurantkritikern ist durch das Ruhrgebiet gezogen, um die Locations unter die Lupe zu nehmen, die Gäste selbst haben im Netz ihre Eindrücke und Meinungen zu Restaurants, Bars und so genannten In-Treffs hinterlassen. Wer denn nun unbedingt ein Buch benötigt, um sich die Meinungen anderer anzueignen, findet auf über 200 Seiten diverse Indexe, alphabetisch, nach Städten sortiert, in Kategorien von Brunch bis Tunesisch und sogar nach den Namen der "Tester".

Direkt zu Beginn erfährt der kulinarisch interessierte Leser aber erst einmal, was es denn nun mit dem Prädikat "Sexy Food" auf sich hat. Hier bezieht sich die auf den Kopf gestellte und schwer nach Penis aussehende Kochmütze lediglich auf Kreativität, ungewöhnliche Restaurantkonzepte und raffinierte Speisen. Sex Sells, auch und vor allem auf dem Teller. Man erfährt, dass sich die Faktorei in Duisburg und Der Bonner Hof in Essen in dieser Kategorie den ersten Platz teilen, um zu erfahren, ob die weiteren Nominierten es in die Top Ten geschafft haben, muss man blättern.

Blättern ist überhaupt das Stichwort bei Marcellino's Restaurant Report 2.0, denn das schmale Format entpuppt sich für's Durchblättern als etwas sperrig und erfordert einige Kraftanstrengung und klappt viel zu oft einfach wieder zu. Hat man dann doch das Restaurant seiner Wahl gefunden, wird man mit Texten wie beispielsweise diesem zum Bochumer Strätlingshof überrascht:

"Kreative Vielfalt." Im "urigen" Fachwerkhaus fühlen sich "Studenten und ältere Semester" wohl. "Farblich perfekt abgestimmt" ist die "abstrakte Kunst" an den Wänden aufs Holz und die weißen Kalkwände. "Einfallsreich" sind die Vorspeisen wie Jacobsmuscheln auf Spinat mit Gorgonzola überbacken und Sepia-Baguette (8,80). Das Steak vom Wagyu-Rind mit geröstetem Tandoori-Brot, Rucola, Pinienkernen, Parmesan (25,50) "ist auf den Punkt gebraten". "Gewöhnungsbedürftig" finden manche Maracuja-Parfait mit Tonkabohnen-Chilisauce (6,90). Fragen zu den 30 Tropfen (18 offen) werden zwar "immer freundlich", aber zuweilen nur "oberflächlich" beantwortet.


Nicht erst seit KTs Zitierdesaster weiß man um die Wichtigkeit der Quellenangaben. Wir fragen uns angesichts dieser Restaurantbeschreibung beispielsweise, wie viele Gästezitate hierin eingeflossen sein mögen und warum diese um Himmels willen derart bruchstückhaft daher kommen. Okay, man bekommt einen Einblick in die Speisekarte, aber ein wenig weniger subjektiv wäre insgesamt durchaus hilfreich.

Toll sind dagegen die Promi-Tipps, die sich durch das Buch ziehen wie ein roter Faden. So erfährt man, dass Ben Redelings gerne im Bochumer La Bufala speist, Hennes Bender das Avli und das Taj Mahal, beides ebenfalls in Bochum, bevorzugt und Sigi Domke wenn schon das Unverwechselbar in Gelsenkirchen-Ückendorf mag.

Marcellino M. Hudalla (Herausgeber)

Marcellino's Restaurant Report 2012. Ruhrgebiet: Die besten Adressen im Revier. Gäste sagen, wie es wirklich is(s)t

Broschiert, 216 Seiten
Mairdumont; Auflage: 1., Auflage (6. Oktober 2011)
9,95 Euro

 

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