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SHOPPING TIP: JUNGLE

Mode, Trends und die Rettung des Reviers.

Im Bermudadreieck drücken sich Mädchen wie Jungs die Nasen an zwei bunten Schaufenstern die Nasen platt. Denn im Jungle geht es bis unter die Decke stilvoll zu. Wir haben die Macher zu Interview und Fotoshooting getroffen.

Samstagnachmittag in der Bochumer Innenstadt. Auf der Kortumstraße, der Haupteinkaufsstraße in Bochum, tummelt man sich zwischen C&A, H&M, Saturn und Handy-Shops. Etwas abseits des Shopping-Wahnsinns ist man immer noch mittendrin im Großstadtdschungel. Das Geschäft Jungle besteht eigentlich aus zwei Geschäftsräumen. Im Hausflur, von dem die beiden Räume abgehen, hängen Poster z. B. von der New Wave-Band Siouxie & the Banshees oder eines Bochumer Indierock-Clubs, liegen Flyer zu anstehenden Partys aus. Wir nehmen die rechte Tür und finden uns in dem wunderbar verspielten Laden mit Kronleuchtern und moosgrünen Nickikleidern. Hier haben wir uns mit Chefin Nastasja und Mode-Expertin Alina unterhalten. Im Interview ging es hauptsächlich um die Frage, ob das Ruhrgebiet Mode technisch überhaupt noch zu retten ist. Und man erfährt, dass die Ruhrstädter, abgesehen von Joggingplinte und Fanschal, in diesem Bereich mutig und trendig sind und sogar mit den ach so hippen Berlinern mithalten können.

Revier-Magazin: Was treibt Fashion-Victims ins Jungle?
Nastasja: Wir heben uns ganz bewusst vom Einheitsbrei ab. Bei uns bekommt man gebrauchte zeitlose Stiefel und Taschen aus den 70er und 80er Jahren sowie Mode angesagter internationaler Labels. Im Programm sind das Label Blutsgeschwister aus Stuttgart, Yumi aus London, Mode die von Kate Moss und Sienna Miller getragen wird, die dänische Firma mbyM, Vive Maria und Pussy Deluxe, die wunderschöne Wäsche machen, 10 Feet aus Amsterdam und und und.

Revier-Magazin: Das Jungle liegt im Ausläufer des Bermudadreiecks und am Rande der Fußgängerzone. Kommen eure Kunden zufällig hier vorbei?
Nastasja: Nein, die kommen ganz gezielt von eigentlich überall her. Aus Dortmund, aus Essen, Recklinghausen. Viele Leute vom Bochumer Schauspielhaus kommen ganz regelmäßig und wir haben sogar Stammkunden, die extra aus Berlin hierher kommen. Die sind extrem locker und kaufen auch schon eher die ganz verrückten Sachen und sagen, dass so ein Laden in Berlin fehlt!

Revier-Magazin: Also kann es das Ruhrgebiet mit einer Modemetropole wie Berlin aufnehmen?
Nastasja: Auf keinen Fall.
Alina: Und sicherlich nicht Szene übergreifend. Eine spezifische Szene hat sich hier noch nicht entwickelt. Wenn ich mir  die Läden in Berlin angucke, hab ich schon das Gefühl, dass die da unheimlich Stil sicher sein wollen, da hat man schon das Gefühl, dass sich die Leute nicht so viel trauen. Die Berliner Shops bedienen immer einen Stil, eine Szene. Das, was gerade hip ist wird gekauft. Ich habe nirgendwo in Berlin einen solchen Laden gefunden wie diesen, der so viel Auswahl hat. Die Leute in der Hauptstadt sind in ihrem freien Denken doch schon sehr angepasst. Da ist Szene quasi Pflicht und damit auch eingeengter als es jetzt hier so möglich ist.

Revier-Magazin: Die Leute im Ruhrgebiet trauen sich also mehr?
Alina: Ja, ich glaub schon, weil es einfach freier ist.
Nastasja: Gleichzeitig ist Berlin dem Ruhrgebiet aber auch voraus.
Alina: Zum Beispiel waren die Pluderhosen im letzten Jahr in Berlin schon richtig angesagt, das kommt hier erst jetzt so ein bisschen an. In ihrem ganzen Style achten die Berliner aber so sehr darauf, dass es trendy ist, dass es schon wieder unnatürlich wirkt.
Nastasja: Ich habe schon das Gefühl, dass man im Ruhrgebiet halt nicht auf die Straße geht und hundert Leute haben den gleichen Style, sondern vielleicht mal zwei, ist es alles variabler, freier und mutiger.

Revier-Magazin: Was ist denn zur Zeit der absolute Trend im Ruhrgebiet?
Alina: Pelzmützen natürlich!
Nastasja: Bein zeigen und Leggins tragen. Dazu eine Tunica, ein langes Oberteil oder ein buntes Kleidchen, ein fluffiger Rock, dazu Stiefel und der Retrostyle ist perfekt.
Alina: Und dazu viele Accessoires.
 
Revier-Magazin: Dann kann ja nichts mehr schief gehen. Vielen Dank für das Interview.
 
Als enthusiastischer Shopper und Fashionvictim kann man im Jungle wunderbar stöbern, das nächste Outfit sowohl für die anstehende Clubnacht aber auch für das amtliche Familienfest zusammenstellen. Und während der beste Freund schon beim Kaffee im benachbarten Café Zacher sitzt, gibt's von Nastasja, Alina und Alex eine wilde Stilberatung mit wahren Worten und einem gekonnten Blick für die passende Kombination.

Also: Hier kauft der Mode mutige Großstädter!

Jungle

Brüderstr. 6
44787 Bochum
Tel: 0234 6871834

Öffnungszeiten:
Mo-Sa 12-20 Uhr