| KUBOSHOW IN HERNE |
Kunst kommt von verkaufen.Und so klebten schon eine Stunde nach Eröffnung der Kunstmesse in den Herner Flottmann-Hallen zahlreiche rote Punkte an den Gemälden, Skulpturen und Fotografien. Es ist offensichtlich, dass Realismus wieder sehr im Trend liegt. Ist aus der Kunstbombe vor einigen Jahren die Kuboshow geworden, bezieht sich das auf den Zirkus, die Inszenierung, den Tamtam der großen Kunstmessen. Bei der Kuboshow ging es in diesem Jahr am 24. und 25. Oktober es auch ohne Brimborium mächtig los und mit einer Tasse Kaffee in der Hand beginnt der Rundgang durch die noch relativ leeren Hallen. Und leer ist zunächst Programm, fallen doch im ersten Raum die Hundeporträts von Claudia Lassmann besonders ins Auge des Betrachters. Denn dort fehlen die Augen der Tiere, lediglich Teile ihrer Gesichter sind gezeichnet und machen den besten Freund des Menschen zu einer leblosen Hülle - das Wesen der Tiere ist völlig ausgeblendet und nur auf ihr Fell reduziert. Die vor den Porträtsvon Bello & Co. aufgestellten Drahtköpfe von Pavel Gempler wirken dagegen lebendig und sind kraftvolle Figuren in einer kalten Welt. Insgesamt nehmen am Kuboshow-Wochenende 98 junge, unbekannte, gute Künstler teil und präsentieren ihre Arbeiten, zusammen rund 1.000, aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Fotografie, Grafik, Installation und Videokunst. Dabei nimmt die Malerei kuboshowtraditionell den größten Platz ein und nach wie vor gibt es Gegenständliches zu sehen und zu kaufen. Man hängt sich doch eben lieber ein Bild mit erkennbarem Motiv an die Wand. Und die Motive sind alltäglich wie banal: Camping, PC-Spiele-Figuren, Kirmes, Landschaft. Doch das Porträt als Gattung erlebt eine Renaissance in Herne. So stellt Gereon Kratz seinen "Israelischer Soldat" mit leerem Blick aber in ausdrucksstarker und beinahe surrealer Farbigkeit im Schein eines Fernsehbildes dar, stellt Lioba Brückner in "Escape from Reality" ein junges Mädchen in eine wunderschöne Landschaft und setzt sie zugleich vor ein flackerndes TV-Gerät. Da erscheint das Bild "Godzilla" von Gleb Bas als verkehrtes Paradies im Renaissance-Stil, sind Andreas Beckers "Stadtansicht" oder Sebastian Dannenbergers "Sidewalk" zwar gemalt, bei genauer Betrachtung eher Darstellungen eines fotografisch-flüchtigen Augenblicks, sind die Porträts von Ben Beyer so intensiv wie beängstigend. Im Gegensatz dazu gesellt sich die Fotografie beinahe malerisch, wie beispielsweise in den Collage-Arbeiten von Bo Hee Choi, der die Idee von einem Kühlschrank oder einem Computer humorvoll gegen den Strich bürstet, oder in den Kirmes-Aufnahmen von Stephanie Eickmeyer, die durch die Überbelichtung reine und saubere Orte hervorruft. Die Preise für die Kunstwerke bewegten sich von 5,- Euro für Kritzeleien von Kindern über 100,- Euro für die kleinen Bilder mit alltäglichen Belanglosigkeiten von Marlene Kruse (z. B. "Deine Haare sind wie Plastik") oder 200,- Euro für die wunderschönen kleinen Bronzefiguren von Susanne Kraißer (z. B. "Kleine Liegende II") bis zu über 3.000,- Euro für Monumentalgemälde verschiedener Künstler. Beim Rundgang hatten wir stets das Motto der Kuboshow "Junger, konkreter Stoff" im Hinterkopf und fragten uns, inwiefern sich der Slogan mit dem Gezeigten vereinbaren lässt. Das Attribut "jung" lassen wir dahin gestellt, aber konkret im Sinne der Definition nach Theo van Doesburgs Manifest aus dem Jahr 1930 war hier leider nichts. |



Ist aus der Kunstbombe vor einigen Jahren die Kuboshow geworden, bezieht sich das auf den Zirkus, die Inszenierung, den Tamtam der großen Kunstmessen. Bei der Kuboshow ging es in diesem Jahr am 24. und 25. Oktober es auch ohne Brimborium mächtig los und mit einer Tasse Kaffee in der Hand beginnt der Rundgang durch die noch relativ leeren Hallen. Und leer ist zunächst Programm, fallen doch im ersten Raum die Hundeporträts von Claudia Lassmann besonders ins Auge des Betrachters. Denn dort fehlen die Augen der Tiere, lediglich Teile ihrer Gesichter sind gezeichnet und machen den besten Freund des Menschen zu einer leblosen Hülle - das Wesen der Tiere ist völlig ausgeblendet und nur auf ihr Fell reduziert. Die vor den Porträtsvon Bello & Co. aufgestellten Drahtköpfe von Pavel Gempler wirken dagegen lebendig und sind kraftvolle Figuren in einer kalten Welt.