| JOHANN KÖNIG BEIM ZELTFESTIVAL |
Remmi Demmi auf dem Campingplatz.Vor nicht ganz vollem Haus, dem mittelgroßen Zelt beim Zeltfestival Ruhr 2009, gab es von Johann König nichts sagende dafür tief greifende Geschichten, Gedichte und Lieder über die deutsche Sprache, Zugfahrten, Kinder kriegen, das Leben. Vor dem Auftritt des Poeten der leisen Töne hieß es beim Zeltfestival am Kemnader See Schlange stehen: auf dem völlig überlasteten Parkplatz des Freizeitbades Heveney, am Eingang zum Festivalgelände, am Getränkestand und endlich dann auch vor dem Zelt 2. Wie die Gäste hatte auch Johann König seine Mühen, überhaupt hier her zu finden. "Herzlich Willkommen in Bochum ... oder Witten. Wie auch immer. So sieht das also aus hier. Wald überall. Und dann diese Zelte ... hier auf dem Campingplatz." Dabei hatte Johann König eigentlich gar keinen Bock auf diesen Auftritt und musste sich selbst ganz schön üerzeugen, überhaupt loszufahren. Dann ist er aber doch da, "das hätte vor 20 Jahren auch niemand gedacht", und legt erst einmal die Marschrute fest: "So, kommen wir zum Thema Mobiltelefone. Bitte schalten sie jetzt alle ihre Handys wieder an. Ich will nicht Schuld daran sein, dass irgend jemand hier einen wichtigen Anruf verpasst. So wie 'Ihr Haus brennt, kommen sie schnell'. Dann stehen sie demnächst vor meiner Wohnung und wollen bei mir einziehen." Auch kündigt der Minimalist an, dass die richtig guten Knaller nach hinten raus kommen werden, "lange nacht der Pause, also wenn sie alle schon weg sind". Doch so lange mussten die Fans der depressiven Stimmungskanone, übrigens in braunem Cord echt schick, nicht warten: Mit Vierzeilern aus seinem Gedichtbuch, Lebensweisheiten und Beobachtungen zu Themen wie "fucking" Anglizismen und der Ignoranz der Jugend hinsichtlich der korrekten Benutzung der deutschen Sprache, die Vermehrung der bildungsfernen Schichten, die Krise, die täglichen Belanglosigkeiten, ein Stück für drei Personen auf der Cassettenfestplatte. Besonders auffällig war, dass das Publikum ganz besonders auf die alten und hochgradig flachen Witze ansprang - "Leute, bitte, das kann doch nicht wahr sein!" - hintersinnige Gags ("Der Autor kommt, der Autor kommt, der Autor kommt. Der eine Engländer dachte draußen.") aber in der Stille verhallten. Alles in allem, war Johann Königs Auftritt beim Zeltfestival Ruhr heiß und kalt, zuckersüß und bitterböse, laut und leise, remmi und demmi zugleich. Stets hatte man als Zuschauer ein großeS Fragezeichen im Kopf und das gleichzeitige Gefühl, die Welt mit ihren Absurditäten vollkommen verstanden zu haben. Johann König war beim ZFR ganz groß- wie immer. Bilder von Johann König beim Zeltfestival Ruhr gibt es in unserer Fotogalerie. |



Vor dem Auftritt des Poeten der leisen Töne hieß es beim Zeltfestival am Kemnader See Schlange stehen: auf dem völlig überlasteten Parkplatz des Freizeitbades Heveney, am Eingang zum Festivalgelände, am Getränkestand und endlich dann auch vor dem Zelt 2. Wie die Gäste hatte auch Johann König seine Mühen, überhaupt hier her zu finden. "Herzlich Willkommen in Bochum ... oder Witten. Wie auch immer. So sieht das also aus hier. Wald überall. Und dann diese Zelte ... hier auf dem Campingplatz." Dabei hatte Johann König eigentlich gar keinen Bock auf diesen Auftritt und musste sich selbst ganz schön üerzeugen, überhaupt loszufahren. Dann ist er aber doch da, "das hätte vor 20 Jahren auch niemand gedacht", und legt erst einmal die Marschrute fest: "So, kommen wir zum Thema Mobiltelefone. Bitte schalten sie jetzt alle ihre Handys wieder an. Ich will nicht Schuld daran sein, dass irgend jemand hier einen wichtigen Anruf verpasst. So wie 'Ihr Haus brennt, kommen sie schnell'. Dann stehen sie demnächst vor meiner Wohnung und wollen bei mir einziehen." Auch kündigt der Minimalist an, dass die richtig guten Knaller nach hinten raus kommen werden, "lange nacht der Pause, also wenn sie alle schon weg sind".