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RUHR IN LOVE

Technokirmes versinkt im Schlamm.

Petrus ist kein Technofan, im Gegenteil. Beim alljährlichen Open Air-Rave war eigentlich alles wie immer - nur voller. Auch die Besucher. Als sich dann Punkt sieben Tom Novy mit "Billie Jean" verabschiedete, ging der Sturm los.

Unten bunt, oben grau: Die Ruhr In Love-Party versinkt in Regen und Matsch.Peilomat im Olga Park: Als die Loveparade Rekorde in der Hauptstadt feierte, trat im Ruhrgebiet eine ebenso technoide Großver- anstaltung an, die Region zu mobilisieren. Und weil die Loveparade hier auch keiner so richtig will, tanzt das bunte Technovolk eben an bewährter Stelle im wunderbaren Olga Park in Oberhausen weiter. Auch für die diesjährige Ausgabe hatte man das Fleckchen Grün zwischen Förderturm und imposantem Gasometer schön bunt hergerichtet: 33 Floors, beschallt von den DJs aus dem Lande und ein paar echten Stars, sorgten für Abwechslung und Ohrensausen. Ab mittags war viel Bewegung in der Grünanlage, die Floors alle rappelvoll, die Stimmung gut. Zwischen House bis Acid, von Techno bis Elektro ging die extrem junge Partymeute mit dem Hang zu illegalen Substanzen in der Blutbahn und Gesichtskirmes deluxe mächtig ab, Wiesenhüpfer und Gabba-Heinis feierten gemeinsam und wie immer friedlich ihr jährliches Familienfest. Dichtes Gedränge herrschte traditionell auf dem Mixery Square, denn der Floor des Alkopop-Herstellers hatte mit u. a. Felix Kröcher, Simon Patterson, Tom Novy, Moguai und Chris Liebing wieder einmal Top-DJs am Start.
 
Und so war bei der Ruhr In Love irgendwie alles wie immer: die dicht an dicht aufgebauten Floors sorgten für das typische Wummern, die bunten Raver feierten hinter verspiegelten, bunten, skurrrilen Sonnenbrillen gegen das eigentlich untypische Wetter mit bedecktem Himmel. Und ein besonderer Gast war allgegenwärtig: Michael Jackson-Songs wurden an jeder Ecke elektronisch verwurstet - war vorhersehbar. Und auch Tom Novy kam nicht umhin, den ultimativen Jackson-Dancefloor-Knaller "Billie Jean" zum Abschluss seines Sets in die tobende Masse zu ballern. Technosound trifft Woodstockfeeling: Der unerschrockene Raver tanzt auch im Regen einfach weiter.Gleichzeitig entzündete sich ein Feuerwerk der bislang auf dieser Tanzveranstaltung eher selten beobachteten Art und für das die Bezeichnung Sturm beinahe untertrieben ist. Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich das Gelände aufgrund des einsetzenden sturzbachartigen Regens in eine Schlammgrube, unterstellen konnte man sich irgendwie nicht wirklich und so liefen die Schuhe voll, sogen sich die Hosen bis zum Hintern voll mit Wasser, Schlamm und den zu Klump gewordenen Müllresten, die so rumlagen. Ein Teil der Meute tanzte einfach unbeirrt weiter so dass Woodstockfeeling aufkam und die Matsche schön durchgequirlt wurde. Die anderen Festival- besucher übten sich in Schadensbegrenzung. und suchten jede noch so kleine Möglichkeit, sich irgendwie zu retten und hüllte sich in Mülltüten oder rotteten sich zusammen und verkrochen sich unter den inzwischen abgerissenen Werbeplanen der Clubs, Magazine etc. Aber: das Make Up bahnte sich seinen Weg, das Styling war hin, die Mobilnetze brachen zusammen, Freunde verloren sich, junge Mädchen irrten weinend weil völlig verpeilt und desorientiert umher. Nach einer knappen halben Stunde war der Spuk vorbei - vorerst. Auch wenn der Himmel dann wieder ein wenig aufklarte, der Regen blieb und bis auf den Schlüpfer nasse Raver hatten spontan keine Lust mehr aufs Raven und wollten nach Hause - oder wenigstens dorthin, wo es trocken war - Open Air Interruptus.
 
Wenigstens hat die Ruhr In Love 2009 mit rund 36.000 Gästen einen neuen Rekord aufgestellt. Und im nächsten Jahr scheint dann auch wieder die Sonne. Vielleicht.
 
Bilder von der Ruhr In Love gibt es in unserer Fotogalerie.
 

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