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SCHURENBACHHALDE

Der beschwerliche Weg zur Bramme.

Die Essener Halde Schurenbach ist mit ihrer "Bramme (für das Ruhrgebiet)", so der Titel der Landmarke von Richard Serra, ein Naturhighlight im Revier. Doch die Landschaft bedarf dringend Pflege und der Weg auf die Halde hat es in sich.
 
Von S. Leifhold
 
Der kürzeste aber auch anstrengendste Weg zur 'Bramme' führt über vier lange Treppen.Vor Jahren war ich schon einmal auf der Schurenbachhalde. Vom Parkplatz aus erreicht man das karge Plateau mit seinem fast schwarzen Gestein über vier lange, endlos erscheinende Treppen, die einem die Puste rauben. 265 Stufen. Das entspricht in etwa dem 14. Stockwerk in einem Altbau! Mit dem Wissen, dass viele Wege auf eine Halde führen, fahren wir als naive Eltern an einem Sonntagnachmittag mit Kind, das nun mit seinen vollen acht Monaten endlich einen Revierberg kennen lernen soll, und Gelände tüchtigem Buggy nach Altenessen. Bei schönstem Sonnenschein wundern wir uns schon ein wenig, dass am Fuße der Halde, unter der Autobahnbrücke, es kein Parkplatzchaos gibt. Mit gekonnten Handgriffen schrauben wir unseren Nachwuchs in sein Gefährt und los geht es.

Wir folgen einem jungen Pärchen, das mit seinem Hund wohl auch auf dem Weg zur Bramme ist. Rechts von uns erhebt sich die mit Bäumen bepflanzte Halde, links von uns rauschen die Autos über die auch am Sonntag viel befahrene A42. Vogelgezwitscher Fehlanzeige. Wenigstens das Licht durchflutete Blätterdach über dem breiten Weg sorgt bei uns für Vergnügen. Das Kind quietscht und wir halten regelmäßig Ausschau nach einer Möglichkeit, auf die nächste Ebene der Halde zu gelangen. Immer wieder sprechen wir über die anderen Halden im Ruhrgebiet und wie einfach es zum Beispiel in Bottrop ist, zum Tetraeder hinauf zu laufen, oder über die Gelsenkirchener Halden Rheinelbe und Rungenberg zu spazieren.

Vorbei an den groß angekündigten und dann doch dem Dickicht und/oder Vandalismus zum Opfer gefallenen Skulpturen erreichen wir nach einer knappen halben Stunde das westliche Ende der Schurenbachhalde. Ein sehr schmaler und überaus steiler Trampelpfad bietet uns die einzige Möglichkeit zum Aufstieg. Unter enormer Kraftanstrengung schieben wir den Buggy über das verrottete Laub, dann ist der Boden plötzlich mit dickem Kies befestigt. Aufgeben gilt nicht, noch nirgendwo hatten wir jemals gelesen, dass diese Halde nur für wirklich fitte Fußgänger geeignet ist und aus der gewagten Erinnerung dachten wir eigentlich, dass man die Halden locker mit einem Kinderwagen bezwingen könnte.

Rund um die Schurenbachhalde gibt es schmale und noch schmalere Wege und steile Aufstiege.Irgendwie erreichen wir dann den Rundweg auf der mittleren Haldenebene, die Autobahn ist nun noch lauter zu hören. Überall liegen Plastikreste, die einmal zum Schutze der neu gepflanzten Bäume, also vor rund über 10 Jahren, an ihnen angebracht wurden und im Laufe der Zeit abgesprengt wurden. Aufräumen wäre angesagt. Dann liegt mitten auf dem nicht mehr ganz so breiten Weg eine umgeknickte Tanne. Wir müssen mit dem Kinderwagen sehr nah am Abhang entlang balancieren. Weiter geht es über dicke Wurzeln. Dem Kind macht dieser Spaziergang über Stock und Stein wahrlich Spaß, wir aber werden langsam etwas sauer – nicht bloß auf unsere Naivität.

Irgendwann kommen wir wieder an den Teil der Halde, wo man als Besucher die Treppe zum Haldenplateau und damit zur Bramme nehmen kann. Wir überlegen, lassen aber den Plan, das Kind einfach samt Wagen hinauf zu tragen, schnell fallen. Hier, auf halber Höhe treffen wir dann auch endlich andere Haldenstürmer auf dem Weg nach oben. Nach über 100 Stufen beginnen ihre Gesichter langsam zu glänzen. Familien mit maulenden Kindern. Keuchende Rentner. Ein unerschrockener Jogger.

Für einen Blick auf die Bramme bzw. ein aktuelles Foto des Stahlmonuments trennen wir uns kurz. Kind und Vater bekommen einen Snack und ich laufe "mal eben" die restlichen Stufen hinauf. Die letzte Treppe hat es in sich, ihre Stufen sind tiefer und verlangsamen mein Schritttempo automatisch. Dann geht es noch einen kleinen Hügel hinauf, der breite Weg wird rechts und links von frisch gepflanzten Sträuchern gesäumt. Hier oben wirkt alles viel aufgeräumter und sauberer. Auch die Wege rund um das Haldenplateau sind plötzlich breit und befahrbar.

Je näher ich der Bramme komme, desto mehr Rund- und Ausblick bietet die Schurenbachhalde. Der Tetraeder in Bottrop scheint zum Greifen nah, der Gasometer Oberhausen wirbt mit seinem überdimensionalen Banner für die aktuelle Ausstellung, die Bergmannsskulptur von Lüpertz dreht dem Haldenstürmer den Rücken zu, die Essener Skyline ist doch weniger spektakulär als von der A40 aus gesehen. Doch all das ist nur Beiwerk: die Bramme ist der Star.

Endlich: Die 'Bramme' von Richard Serra auf dem Plateau der Schurenbachhalde.Ob sie nun "die spektakulärste Landmarke im Ruhrgebiet" ist, wie es auf dem Hinweisschild der Route der Industriekultur steht, mag jeder selbst entscheiden. Es macht einfach Spaß den rostigen Stahlgiganten zu umrunden, ihn aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, wie er sich neigt und massiv gegen den Revierhimmel stemmt. Man wird automatisch lyrisch, zumindest melancholisch … und zugleich fehlen einem die Worte und es kommen einem Szenen aus Filmen wie "2001 Odyssee im Weltraum" in den Sinn.

Nach einer großen Runde über das dunkle Haldenplateau geht es über die Treppen wieder hinunter zu Mann und Kind. Mit blumigen Worten erzähle ich von der Bramme und dass man diese eigentlich nicht beschreiben kann. Wir finden wieder eine schmale und extrem steile Rampe um ganz nach unten zu gelangen. Der Kinderwagen hält die rasante Abfahrt gerade eben aus. Die beschriebenen Serpentinen haben wir auch auf unserem Rückweg nicht gefunden. Dafür kommen wir auf dem Weg zum Auto an den beschriebenen Teichen vorbei. Hierin liegt einiges Geäst, wir gucken nur kurz hin. Schön ist anders.

Alles in allem haben wir viel gelernt: über das Ruhrgebiet und seine Grenzen für Familien. In Zukunft wird unser Kind an den Seen der Region entlang gefahren. Bis es selbst auf die Halden gehen kann. Übrigens: Das Treppenzählen ist beim Hinuntergehen wesentlich effektiver.

 

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