| AN EINEM TAG UM DIE WELT |
Ein waghalsiger Versuch in der ZOOM Erlebniswelt. Eines vorweg: Die "Weltreise an einem Tag", so der offizielle Slogan der Gelsenkirchener Zoom Erlebniswelt, konnte ich leider nicht bewältigen. Schuhwerk, Hitze und die Vielzahl der tierischen Bewohner durchkreuzten diesen Plan. Von Johannes Arnold Ich beginne die Reise am Rande des Schweinsaffen-Territoriums in der Erlebniswelt Asien. Es ist ca. halb 12 und ich bin voller Vorfreude die erste Etappe dieser Reise zu erleben. Meine Fotokamera wird aus ihrer Tragetasche befreit. Hoch motiviert beginne ich die Schweinsaffen, die ich eigentlich für eine Pavian-Familie hielt, abzulichten. Nach wenigen Minuten beende ich meinen ersten Fotografierrausch und stapfe den Kiesweg in Richtung der Trampeltiere. Diese zeigen sich wenig begeistert von den zahlreichen Beobachtern und widmen sich stattdessen der Nahrungsaufnahme. Bisher war das "Big Picture" noch nicht dabei, es sollte aber weitaus später an diesem Tag folgen. Zunächst wechselt die Weltreise vom asiatischen Erdteil in die afrikanische Savanne. Hier bietet sich ein Bild, das den Besuchern in anderen deutschen Zoos zumeist verwehrt bleibt. Eine Vielzahl verschiedener Tierarten lebt in harmonischem Einklang in einem riesigen Territorium zusammen. Zebras stehen sich gegenüber, ein Strauß präsentiert den ZOOM-Gästen die Schwungfedern seiner Flügel, Rappenantilopen springen durch das großzügige Gehege und die majestätisch anmutenden Elenantilopen suchen unterem einem Baum Schutz vor der Frühjahrssonne. Es fühlt sich tatsächlich an als wäre man mitten in der afrikanischen Grassavanne. Erst als ich die grauen, starren Elektromasten im Hintergrund der afrikanischen Welt entdecke, werde ich dieser Illusion entrissen. Dennoch hinterlässt dieser Bereich der afrikanischen Erlebniswelt einen bleibenden Eindruck. Der Weg schlingert sich weiter, die Sonne wird unerbittlicher und an meinen Füßen meldet sich die erste Blase. Von nun an bleibt die Fotokamera ständig griffbereit. Wenig später bildet sich eine kleine Menschentraube vor einer großen Glasscheibe. Als sich diese langsam lichtet, erlebe ich meinen ersten ZOOM-Effekt. Einige Löwen liegen unmittelbar hinter dem Fenster und wärmen sich auf dem trockenen Sandboden. So nah kommt man einer Wildkatze wohl nur sehr selten. Einige Fotos später erblicke ich das derzeitige Highlight der Saison: den Giraffenjungen Hans. Liebevoll füttert seine Tierpflegerin Wiebke das noch staksig wirkende Tier mit der Milchflasche. Begleitet wird die Szenerie von einem Blitzlichtgewitter seiner Beobachter. Die ausgewachsenen Artgenossen bleiben ausgesperrt und genießen ihren Freilauf im Außengehege. Plötzlich gerät alles in Bewegung. Ein weiterer Tierpfleger fährt mit einem Geländemobil durch das Areal. Ein Giraffenbulle läuft aufgeregt hinterher. Auch die anderen Mitbewohner bemerken das Mobil und stürmen los. Das Fahrzeug kommt an einem Holzmast, an dem leere Wasserbehälter befestigt sind, zum stehen. Der Tierpfleger füllt diese mit Knäckebrot und zieht sie mit einer Seilvorrichtung in luftige Höhe. Von nun an sind die Giraffen damit beschäftigt, die knusprige Zwischenmahlzeit mit Hilfe ihrer bis zu 50 cm langen Zunge aus den Behältern zu greifen. Eine Mitarbeiterin des Zoos erklärt den staunenden Gästen, dass Knäckebrot zu den Leibspeisen der Giraffen zählt. Der Weg führt weiter, vorbei an den Pavianen, die auf ihrer Insel "Pavian City" zusammen leben, spielen und streiten bis zu den Breitmaulnashörnern. Diese liegen einträchtig in der Sonne und halten ihren Mittagsschlaf. Einige Meter weiter beginnt lautes Getrommel. Afrikanische Tänzer und Sänger geben eine Kostprobe ihres Könnens. Andere laufen auf riesigen Stelzen über den Schotterweg. Diese sowohl musikalische als auch artistische Darbietung soll den Besuchern einen Vorgeschmack auf das im Juni stattfindende Afrika-Festival geben. Im Hintergrund erwachen die Nashörner aus ihrem Schlaf. Das rhythmische Getrommel treibt die gewaltigen Riesen zu einem spontanen Stampfmarsch durch ihr Gehege. Ob sich die Tiere durch den Trommelwirbel gestört fühlen, oder ob sie durch die Geräusche angespornt wurden, vermag ich nicht zu beurteilen. Diesen Anblick wollte aber selbst der Oberbürgermeister nicht einfach verstreichen lassen und zückt spontan sein Smartphone um die bulligen Vierbeiner abzulichten. Ich mache mich derweil auf in Richtung Alaska. Das Leder meiner zu engen Schuhe frisst sich immer weiter in die Füße und mein Gang wirkt gequälter. Ein Blick auf den Lageplan verdeutlicht, dass noch über die Hälfte der gesamten Anlage auf ihre Besichtigung wartet. Der zuvor strahlend blaue Himmel über der afrikanischen Erlebniswelt wird nun von Wolken verdeckt. Angekommen im Bereich der Bären stelle ich mit Erstaunen fest, dass der Freiraum der Gehe enorme Ausmaße hat. Hüglige Flächen, künstliche Gebirgszüge und ein riesiger Wasserfall, der von einer frei schwebenden Brücke aus betrachtet werden kann, festigen den Eindruck, dass dies das schönste eingezäunte Areal ist, das ich bisher in einem Zoo gesehen habe. Wenig später findet der einige Stunden zuvor erlebte ZOOM-Effekt am Rande des Löwengeheges eine ungeahnte Steigerung. Durch eine Glasscheibe beobachte ich einen Kamtschatkabär. Ich habe den Eindruck als hätte er mich ebenfalls wahrgenommen, zumindest läuft er genau auf das Sichtfenster zu. Einige Sekunden später steht dieses wunderschöne Tier direkt an der Scheibe und sieht mir in die Augen. Wir sind lediglich 30 cm voneinander entfernt - ein wahrhaft außergewöhnlicher Moment. Spätestens seit diesem Augenblick weiß ich, dass die ZOOM Erlebniswelt hält was sie verspricht und den Besuchern ganz besondere Begegnungen zwischen Mensch und Tier ermöglicht. Abseits der tierischen Bewohner bietet die Erlebniswelt Alaska ein weiteres spektakuläres Abenteuer: das Alaska Ice Adventure. Ich passiere die Einlassschranke und ein Mitarbeiter des Zoos kreuzt meinen Weg: "Jetzt musst du hier alleine rein, es warten keine weiteren Besucher". Die Worte klingen fast wie eine Drohung. Auf einem Monitor im Vorraum läuft eine Videosequenz, in der eine in die Jahre gekommene Inuit-Dame einige Benimmregeln für das bevorstehende Abenteuer aufstellt. In dem simulierten Iglu angekommen, flackern links, rechts und vor mir riesige Bildschirme. Der Boden beginnt zu vibrieren und die simulierte Fahrt durch das Polarmeer beginnt. Ich möchte nicht zu viel verraten, und damit den Spaß dieses Film-Adventures vorweg nehmen: Wer den Zoo besucht, sollte sich die Fahrt durch das eisige Polarmeer auf keinen Fall entgehen lassen. Meine nächste Besichtigung führt mich zu den Eisbären und zu meinem persönlichen "Big Picture" an diesem Tag. Einige Minuten lang beobachte ich einen der Bären, ehe sich dieser in Richtung eines Wasserbeckens bewegt. Was im Folgenden passiert möchte ich nicht in aller Präzision erläutern. Nur so viel: Der Eisbär hat wohl gut gefrühstückt und sah sich nun gezwungen seine Notdurft zu verrichten. Ziel ist das Wasserbecken. Er verzieht seine Mundwinkel und brüllt einen tiefen Schrei heraus. Durch die Wucht des Aufschlags spritzt das Wasser in die Luft. Der Eisbär scheint zufrieden. Ich bin es ebenfalls, da ich die ganze Szenerie fotografieren konnte. Dass einige andere Besucher links und rechts von mir in Gelächter ausbrechen und diesen Moment ebenfalls für die Ewigkeit festgehalten haben, stört mich nicht. Es ist 16 Uhr und ich stehe wieder inmitten des großen Zentralplatzes zwischen den Erlebniswelten. Ein Holzschild weist mir den Weg zurück nach Asien. Erschöpfungsbedingt durchquere ich diesen Teil des Zoos ohne weitere Rast an den Tiergehegen. Ich beschließe mir diesen Teil der Erlebniswelt für meinen nächsten Besuch aufzusparen. Zum Abschluss eines gelungenen Tages bestellte ich mir mit großer Vorfreude an einem Imbiss-Stand eine Currywurst. Nach dem Verzehr setzt Ernüchterung ein. Bei dem Exemplar handelte es sich um eine geschmacksneutrale Wurst ohne Currypulver. Aber selbst das kann meine Laune nicht mehr trüben. Denn: Die ZOOM-Erlebniswelt ist ein einzigartiger Zoo, der in Deutschland sicher seines gleichen sucht. Eine artgerechte Haltung von wildlebenden Tieren ist in Tierparks wohl nicht möglich, dennoch wird in Gelsenkirchen alles dafür getan, um den Tieren ein großes Maß an Freiraum zu bieten. Zudem ist das extrem gepflegte Erscheinungsbild der Anlage hervorzuheben. Abschließend bleibt die Erkenntnis, dass ich die "Weltreise an einem Tag" leider nicht geschafft habe. Dennoch freue ich mich auf meinen zweiten Besuch, bei dem ich die Weltreise komplettieren und das Erlebte wiederholen möchte. Löwen, Nashörner, Bürgermeister & Co.: Fotos aus der ZOOM Erlebniswelt gibt es in unserer Bildergalerie ...
ZOOM Erlebniswelt GelsenkirchenBleckstr. 64
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Ich beginne die Reise am Rande des Schweinsaffen-Territoriums in der Erlebniswelt Asien. Es ist ca. halb 12 und ich bin voller Vorfreude die erste Etappe dieser Reise zu erleben. Meine Fotokamera wird aus ihrer Tragetasche befreit. Hoch motiviert beginne ich die Schweinsaffen, die ich eigentlich für eine Pavian-Familie hielt, abzulichten. Nach wenigen Minuten beende ich meinen ersten Fotografierrausch und stapfe den Kiesweg in Richtung der Trampeltiere. Diese zeigen sich wenig begeistert von den zahlreichen Beobachtern und widmen sich stattdessen der Nahrungsaufnahme. Bisher war das "Big Picture" noch nicht dabei, es sollte aber weitaus später an diesem Tag folgen.
Der Weg führt weiter, vorbei an den Pavianen, die auf ihrer Insel "Pavian City" zusammen leben, spielen und streiten bis zu den Breitmaulnashörnern. Diese liegen einträchtig in der Sonne und halten ihren Mittagsschlaf. Einige Meter weiter beginnt lautes Getrommel. Afrikanische Tänzer und Sänger geben eine Kostprobe ihres Könnens. Andere laufen auf riesigen Stelzen über den Schotterweg. Diese sowohl musikalische als auch artistische Darbietung soll den Besuchern einen Vorgeschmack auf das im Juni stattfindende
Meine nächste Besichtigung führt mich zu den Eisbären und zu meinem persönlichen "Big Picture" an diesem Tag. Einige Minuten lang beobachte ich einen der Bären, ehe sich dieser in Richtung eines Wasserbeckens bewegt. Was im Folgenden passiert möchte ich nicht in aller Präzision erläutern. Nur so viel: Der Eisbär hat wohl gut gefrühstückt und sah sich nun gezwungen seine Notdurft zu verrichten. Ziel ist das Wasserbecken. Er verzieht seine Mundwinkel und brüllt einen tiefen Schrei heraus. Durch die Wucht des Aufschlags spritzt das Wasser in die Luft. Der Eisbär scheint zufrieden. Ich bin es ebenfalls, da ich die ganze Szenerie fotografieren konnte. Dass einige andere Besucher links und rechts von mir in Gelächter ausbrechen und diesen Moment ebenfalls für die Ewigkeit festgehalten haben, stört mich nicht.